„Ich habe jeden Tag gelernt, gelernt.“

 

„Ambulanter Hospizdienst St. Johannisstift e.V.“ verabschiedete seinen Vorstandsvorsitzenden Dr. med. Axel Stein am 13. September 2018.

 

 (von links: Martin Pantke, Wolfgang Specht, Dr. Axel Stein, Prof. Dr.Dr. Andreas Lübbe)

 

 

Foto und Text: Ann-Britta Dohle

Mit einem festlichen Akt verabschiedete der „Ambulante Hospizdienst St. Johannisstift e.V.“ am Donnerstag im Dietrich- Bonhoeffer-Haus seinen Vorstandsvorsitzenden Dr. med. Axel Stein. Gleichzeitig wurde ihm, der aus gesundheitlichen Gründen zurücktritt, der Ehrenvorsitz angetragen. Der einstige Hausarzt hatte sich nach seiner Pensionierung der Sterbebegleitung zugewandt, die damals noch in Kinderschuhen steckte. Der Mann der ersten Stunde blickt zurück: “Komm doch mal bei uns vorbei, hatte es geheißen“. Axel Stein kam, blieb und sollte in den folgenden 16 Jahren beim St. Johannisstift einen bemerkenswerten Ausbau des ambulanten Hospizdienstes und eine breite Vernetzung auf den Weg bringen.

 

   Der bisherige stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Specht, der nun den Vorsitz leiten wird, erinnerte an das außerordentliche Engagement Axel Steins. Die in den Anfängen zwingende Geldfrage habe dieser mit Hilfe seines großen Freundeskreises durch das Beschaffen von Spendengeldern gelöst. Mittlerweile können jährlich Fördergelder bei den Krankenkassen beantragt werden. Natürlich habe es in der langen Amtszeit auch mal zwischenmenschliche Konflikte gegeben. Doch sei es Axel Stein mit seiner Begabung  immer geglückt, diese zu entschärfen.

 

   „Humanität unserer Gesellschaft beweist sich daran, wie man mit den Schwächsten unserer Gesellschaft umgeht.“ Mit diesem Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck leitete der stellvertretende Bürgermeister Martin Pantke seine Danksagung ein. Darin verwies er ausdrücklich, wie sehr die Stadt Paderborn von der Arbeit des Ambulanten Hospizdienst St. Johannisstift profitiere. Palliativmediziner und Chefarzt Prof. Dr. Dr. Andreas Lübbe aus Bad Lippspringe schaute in seiner Festrede dankbar auf die enge Zusammenarbeit zwischen der medizinischen Palliativversorgung und der Hospizbewegung zurück. Als sich vor 14 Jahren die ambulante medizinische Versorgung sterbenskranker Menschen im Kreis Paderborn und Höxter noch in der Aufbauarbeit befunden habe, sei Dr. Axel Stein freiwillig zu ihm gekommen und habe seine Hilfe angeboten. „I did it my way“ stimmt bei der Verabschiedung dazu passend Musiker Goran Avramovic auf dem Klavier an.

   Derartige Solidarität droht heute verloren zu gehen. Doch Hilfe und Solidarität erhofft sich der Ambulante Hospizdienst St. Johannisstift e.V. auch weiterhin von ehrenamtlich engagierten Bürgern. Denn die ehrenamtlichen Sterbebegleiter sind das Ah und Oh der Hospizbewegung. Prof Dr. Lübbe erläutert die Voraussetzungen für solche Tätigkeit: „Zuhören können. Eine Sensibilität entwickeln für die Gestik und Mimik des Anderen. Situationen aushalten.“ Darüber hinaus sei es ausdrücklich erwünscht, in der Öffentlichkeit auch über die gute Tat zu sprechen. Die berührenden Abschlussworte von Dr. med. Axel Stein lassen umgekehrt den unendlichen Gewinn erahnen: „Ich habe hier so viel Freude und Menschlichkeit kennen gelernt und ich habe jeden Tag gelernt, gelernt.“