2020

Fortbildung "Die Zeit heilt nicht immer alle Wunden" am 21.10.2020

Wie frühere traumatische Erfahrungen im Leben alter Menschen bis heute nachwirken können und was hilft

 

Den Vortrag von Anke Lesner, Diplompädagogin, Systemische Therapeutin und Supervisorin, Fachberaterin für Psychotraumatologie, Alterspsychotherapeutin interessierte unsere EA sehr. 

Ungefähr zwei Drittel der heute über 65-jährigen haben im Krieg, in der Nachkriegszeit oder in ihrem späteren Leben traumatische Erfahrungen gemacht. Heute alte Frauen unterliegen darüber hinaus einem erhöhten Risiko sexualisierte Gewalt in ihrem Leben erfahren zu haben: denn neben Gewalterfahrungen im familiären und sozialen Umfeld können sie – wie ca. zwei Mio. andere Frauen – Opfer von sexualisierter Kriegsgewalt im Kontext des Zweiten Weltkrieges geworden sein.

Um das Erlebte mitzuteilen, fehlten damals oft die Worte bzw. ein Gegenüber, das zuhörte oder das Umfeld hat andere Anforderungen gestellt. Die meisten Betroffenen haben Strategien und Bewältigungsmuster entwickelt, um mit dem Erlebten zurecht zu kommen.

Mit dem Alter können sich jedoch manchmal schmerzvolle Erinnerungen und Ängste aus der Vergangenheit zurückmelden. Insbesondere Umbrüche – wie etwa eine veränderte Wohnsituation, der Verlust des Partners/ der Partnerin oder eine Pflegebedürftigkeit –  werden als verunsichernd erlebt. Frühere Erfahrungen des Ausgeliefertseins und der Ohnmacht vermischen sich dann mit Zukunftsängsten und können so die Furcht vor erneuten Grenzüberschreitungen wecken. Die Auswirkungen dieser Trauma-Reaktivierung können sich im Kontakt mit alten Menschen in ganz unterschiedlichen Verhaltensweisen äußern und das soziale Umfeld, professionell Pflegende oder pflegende Angehörige vor große Herausforderungen stellen.

In dem Vortrag wurde über sexualisierte (Kriegs)Gewalt, mögliche Folgen und Retraumatisierungen/Trauma-Reaktivierungen in der Lebensphase Alter informiert und anschließend die Möglichkeit zum Austausch und zur Diskussion gegeben.

 

Der Vortrag war als Einführung in das Thema Trauma und Traumareaktionen zu sehen, hier geht es um Grundlagen bzw. Grundwissen zum Thema.

Frau Lesner kann nach Absprache mit uns auch einen anderen Schwerpunkt in Bezug auf das Thema Trauma setzten, z. B. Traumafolgen als mögliche Belastung in der letzten Lebensphase.

 

 

 

 


2019

Seminar "Märchen in der Sterbe-und Trauerbegleitung" mit Jana Raile am Samstag, den 09. November 2019 von 10 - 16 Uhr

Seminar
In diesem Seminar lernen wir die Wirkungsweisen der Märchen und ihre Einsatzmöglichkeiten in der Trauer- und Sterbebegleitung kennen.

Wir machen uns vertraut mit den Urbildern der Märchen, lernen Erzähl- und Vorlesepraktiken und erleben praxisnah die Kraftquelle Märchen für Betroffene und Begleitende.
Das Seminar vermittelt Handwerkszeug, gibt Ideen und Inspirationen in unterschiedlichen Kontexten Märchen in der Trauer- und Sterbebegleitung einzusetzen.
  
Inhalte:
* Bildbetrachtung von Märchen
* Bedeutung von Märchen in der Trauer- und Sterbebegleitung
* Tipps und Tricks im Einsatz von Märchen je nach Altersstufe
* Praxisnahe Anleitung für die Trauer- und Sterbebegleitung
* Erzählen/Vorlesen am Sterbebett 

* Meditatives Erzählen/Vorlesen für Komapatienten und Patienten in der finalen Phase
* Erzählkreise für Sterbende, Angehörige und Freunde
* Erzählen und Gesprächskreise mit kreativen und meditativen Methoden

 

Zur Person

Jana Raile, Jahrgang 1969, hat sich die Erzählkunst als Autodidaktin erobert. Bereits als Kind entdeckte sie ihre Liebe für Märchen und Geschichten; mit 18 Jahren hatte sie ihren ersten öffentlichen Auftritt. 1998/99 absolvierte sie eine 1-jährige Weiterbildung für professionelle Erzähler im „Centre For The Research and Development of Traditional Storytelling“ bei Ben Haggarty in Wales.

2012 feierte sie ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum und steht für exclusiv-intensive Erzählkunst im deutschsprachigen Raum. Sie jongliert mit Wörtern, zaubert Bilder und offenbart gelebte Weisheit und erlebte Wahrheit im Spiegel unserer Zeit.

Seit 2008 widmet sie sich verstärkt dem Thema „Trauerbegleitung mit Märchen“. Sie hat bereits zwei Bücher zum Thema veröffentlicht, aktuell im Param Verlag (2. Auflage Herbst 2014), und schult Hospizmitarbeiter

 


2018

Seminar mit Dr. Martin Kreuels am Samstag, den 1. September 2018 von 9.30 bis 13 Uhr


             Männer trauern anders


Männer trauern anders als in der oft weiblich dominierten Trauerkultur üblich und auch anders als in der soziologisch/psychologischen Literatur häufig beschrieben. Viele Verhaltensweisen sind, so der Referent des Seminartages, biologisch fixiert und lassen sich nicht einfach ändern. Durch die Unkenntnis kommt es zwischen den Geschlechtern immer wieder zu Missverständnissen. Häufig wird dem Mann ein mangelhafter Umgang mit der Trauer vorgeworfen, dabei zeigt er diese nur anders. Männer haben ihre eigenen Bilder, in denen sich ihre Trauer ausdrückt.

 

Nach einem naturwissenschaftlichen Teil zu biologischen Unterschieden und der Betrachtung gesellschaftlicher Aspekte wird es an diesem Seminartag um die Frage (und Lösungsvorschläge) gehen, wie die Trauer von Männern mehr Raum bekommen kann und wie Trauergruppen für Männer erfolgreich eingerichtet werden können.

Gleichzeitig soll Zeit für einen intensiven Erfahrungsaustausch in der Gruppe sein.

Zeitgleich sind 20  „Männerbilder der Trauer“ und Exponate postmortaler Fotografie vom 31.8.–01.9.2018 im Erlebnisbereich Dietrich-Bonhoeffer-Haus ausgestellt

Dr. Martin Kreuels wagte den Versuch, anstellen von Worten nach Bildern für die Trauer von Männern zu suchen. Aus dem regionalen Projekt (Münster, NRW) wurde schnell ein internationales Projekt (Schweiz, Frankreich, Polen, Deutschland). Nach einem Jahr Suche waren dann die Bilder da und auch die Männer, die jetzt doch reden wollten.